Netzwerkkonferenz 2022

Lernen ist Zukunftsalphabetisierung - Schule neu buchstabieren und unsere Zukunft aktiv gestalten!

15. & 16. November, Hamburg

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Schüler*innen, Schulleiter*innen, Lehrkräfte und Eltern aller Club of Rome-Schulen treffen sich jährlich auf der Netzwerkkonferenz. In diesem Jahr war sie ein besonders wichtiges Ereignis, da sich die deutschlandweit verteilten Schulen erstmals nach über 2 Jahren wieder persönlich begegnen und austauschen konnten. Die etwa 70 Teilnehmer*innen waren begeistert von der Atmosphäre in den neu gestalteten Konferenzräumen der DZ Hyp Hamburg und der visionären Energie, die das gemeinsame Treffen auslöste.

Das Thema dieser Konferenz wie auch des neuen 2-Jahresthemas an den CoR Schulen ist Zukunftsalphabetisierung. Der Begriff tauchte erstmalig im Zusammenhang mit dem World Social Science Report auf: „Es geht um die Fähigkeit, sich der Komplexität als auch Ungewissheit zu stellen und sich dynamisch an jener Zukunft zu beteiligen“. Bereits im November 2021 fand eine Online-Konferenz statt, in der die Bedeutung des Themas für Schulen diskutiert wurde: Welche Kompetenzen brauchen Jugendliche und Kinder im 21.Jahrhundert? Und wie kann Schule diese vermitteln?

Anknüpfend an die bereits gesammelten Impulse zum Thema, wurde bei der diesjährigen Netzwerkkonferenz der Begriff der Zukunftsalphabetisierung weiter mit Leben gefüllt, um daraus konkrete Handlungsoptionen für das 2-Jahresthema an den Schulen abzuleiten.

Vortrag von Prof. A. Schleicher, Bildungsdirektor OECD

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Den Eingangsvortrag hielt Prof. Andreas Schleicher, Direktor des Direktorats für Bildung bei der OECD (Paris), der Bildungsforscher und Statistiker, der gemeinhin auch als PISA-Chef bekannt (und in Kultusministerien gelegentlich auch gefürchtet) ist. Aus der ganzen Welt konnte er von innovativen Schulentwicklungen berichten, welche im Gefolge der Pisa Studien seit 2000 in Gang gesetzt  wurden. In Deutschland allerdings habe sich sein umfassender "Bildungs"begriff, der eben nicht nur Wissen, sondern Fähigkeiten und Kompetenzen einschließt, noch(?) nicht durchgesetzt, jedenfalls wenn man die "Bildungs“pläne sondern den heimlichen „Lehr“plan, die Prüfungsordnungen, liest. Ihm geht es darum, wie wir unser Wissen nutzen und wie wir uns damit in der Welt verhalten und engagieren. Statt in Zukunftsängsten zu versinken, könne man selbst etwas zur Problemlösung in der Welt beitragen. Wo es immer schwerer wird, Fakten und Meinungen voneinander zu unterscheiden, falsche Informationen zu erkennen (Fake News, Social Media…), da müsse Schule mehr als nur Wissen rekonstruieren: Neben den wichtigen 4K-Kompetenzen (Kommunikation, Kollaboration, Kritisches Denken und Kreativität) müssen ebenso Dimensionen wie „Charakter“, Haltung und Meta-Lernen in den Vordergrund gerückt werden. Besonders der Erwerb sozial-emotionaler Fähigkeiten wie Resilienz oder das Denken in "Lösungen" sind in Anbetracht der aktuellen Krisen wichtiger denn je!

Wertschätzung statt Bewertung greife da, wo junge Menschen ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule entwickeln, ein vertrauensvolles Verhältnis zu Lehrern und Lehrerinnen aufbauen. Seit jeher ist dies eine zentrale Anforderung an jede Club of Rome-Schule (flache Hierarchie.. .).

Vorstellung des Thesenpapiers aus dem dem Leitungsteam

An die Bildungsvision des Club of Rome, "No limits to learning", erinnerte Ralf Heinrich beim ersten Teil der Themeneinführung. Club of Rome-Schulen seien keine SDG-, keine Nachhaltigkeits- und auch keine Zukunftsalphabetisierungsschulen. Im Mittelpunkt stehe vielmehr der Mensch. Es gelte, Kinder und Jugendliche mit ihren Anliegen (Friday for Future…) und damit die Zukunft ernst zu nehmen. Junge Menschen müssen sich im handlungsorientierten Lernen selbstwirksam, also positiv erfahren, damit sie „ihre freien inneren Spielräume als Basis ungeahnter Entwicklung“ (Aurelio Peccei, CoR) wirklich entdecken und entfalten können.

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Dominik Teckentrup erläuterte - ebenso fürs Leitungsteam der Club of Rome Schulen - die zweite Seite des Tagungspapiers. Bei den Kompetenzen, welche Schüler*innen fürs 21. Jh. brauchen, gehe es neben den berühmten 4K`s (Kommunikation, Kreativität, Kollaboration und Kritisches Denken) etwa auch um Zuversicht und Optimismus!
 

In GEH-Sprächen an der Binnenalster wurden die Impulse aus den Vorträgen diskutiert, bzw. in Relation zu unserem Schulalltag gesetzt, weil ganzheitliches Denken und Lernen sowie Netzwerken eben besser in Bewegung funktioniere.

In den anschließenden schulübergreifenden Gruppen, bestehend aus Schüler*innen, Lehrkräften, Schulleiter*innen und Elternvertreter*innen, wurde zunächst der Vortrag von Herrn Schleicher noch einmal nachgearbeitet. In einem zweiten Schritt wurden Thesen aus dem Tagungspapier ausgewählt, die bei den Teilnehmern auf besonders hohe Resonanz bzw. Kritik stießen. Exemplarisch hierfür werden genannt:

  • Optimistisch agieren statt pessimistisch reagieren

  • den klassischen Wissenskanon erweitern, inhaltlich und interdisziplinär

  • Zusammenspiel der „4 Ks“ (Kreativität, Kritikfähigkeit, Kollaboration und Kommunikation) nutzen

Online-Vortrag Dr. Eckart von Hirschhausen, Mitglied DGCoR

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Am Ende des ersten Tages schaltete sich Dr. Eckart von Hirschhausen über Videokonferenz dazu. Er referierte und diskutierte mit den Teilnehmenden darüber, was ein einzelner Mensch verändern kann, wieso dieser nicht einzeln bleibt, wenn er für eine „Sache brennt“! Dabei betonte er, wie wichtig es ist, Mut zur Veränderung zu haben und bestärkte insbesondere die jungen Menschen darin, den Blick nach vorn zu richten und Verantwortung zu übernehmen.

Zum Abschluss gab er einen Einblick in die Arbeit seiner Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“. Zum diesjährigen G7-Vorsitz Deutschlands hat sie die #dafür-Kampagne gestartet - statt immer DAGEGEN zu sein soll es darum gehen, sich FÜR etwas zu engagieren und dieses Engagment auch zu zeigen!

Utopiewerkstatt mit Schüler*innen

Der zweite Tag begann für die Schüler*innen mit einer sogenannten „Utopiewerkstatt“, angeleitet von Frau Santa Meyer-Nandi, Mitglied im Think Tank 30. Aufgabe war in Kleingruppen verschiedene Modelle von "Wunschschule" zu entwickeln. Akzeptanz, Respekt, Aufklärung und Toleranz sind die Schwerpunkte, welche die Schülervertreter*innen von ihrer Schule der Zukunft erwarten.

Parallel dazu diskutierten die Erwachsenen wie die am Vortag geforderten Skills und Kompetenzen praktisch an den Schulen umgesetzt werden können. Die Utopiewerkstatt sowie Arbeitsgruppen mündeten in einer abschließenden Konkretisierung, bei welcher die anwesenden Schul-Teams ein eigenes Aktivitätskonzept entwarfen, das in den nächsten zwei Jahren Zukunftsalphabetisierung an jeder Club of Rome-Schule voranbringen soll.